Ausgewählte Klanginstrumente & ihre Wirkungen

Klangschale


Auf den beiden Fotos oben wird der Rand der Klangschale mit einem lederbespannten Rundholz umfahren. Dadurch gerät sie in Schwingungen, durch die der Grundton der Schale ausgelöst wird. Schlägt man die Schale nur kurz an, wie dies in der Regel praktiziert wird, entsteht nur ein heller Oberton. Dieser würde beim Aufliegen der Schale kaum in den Körper eindringen.  Die Position auf der Rolle erleichtert den Zugang zu "Innenräumen", die zuvor nicht deutlich wahrgenommen werden konnten. Durch Klänge wird dies nochmals verstärkt. Der tiefe sonore Grundton der Klangschale wirkt psychisch und körperlich gleichermaßen harmonisierend. Es ergibt sich bald eine Tiefen-Entspannung, eine Trance mit einem verstärkten Zugang zu unterschwelligem Erleben mit der Möglichkeit, die betreffende Person in einem heilsamen Wachtraum-Prozess zu begleiten.

Bericht einer 65-jährigen Künstlerin nach der ersten Klangschalen-Anwendung:

Schaumstoff-Halbrolle, "Tuschy-Rolle"


Eine Klangschale kann auch zum Einsatz kommen, wenn sich jemand, wie auf den beiden Fotos links zu sehen, in Stufenlagerung auf einer Schaumstoff-Halbrolle befindet. Es handelt sich um eine sehr bequeme Position, in der die Wirbelsäule optimal entlastet ist, der Unterlage sich wie bei einer guten Matratze anpassend; vor allem, und das ist das Spezifische an dieser Lage auf der "Rolle": die Schultern fallen nach unten, die oft verkürzten Brustmuskeln werden gedehnt, die Unterarme liegen auf dem Boden, vielleicht auf je einem Kissen, der Brustkorb öffnet sich, der Atem kann frei fließen. Damit sich auch die Muskulatur des Nackens wie die des übrigen Körpers gut entspannen kann, sollte der Kopf nicht selbst gehalten werden müssen. Deshalb ist es von Vorteil, sich noch ein kleines Kissen in den Nacken zu legen. Auch völlig verspannte Menschen können überraschend schnell zu innerer Ruhe finden, sich in der Körpermitte zentriert fühlen statt zuvor nur oder ganz überwiegend im Denken bzw. im Kopf. Es entsteht ein Gefühl des "Getragen-Seins" ohne Anstrengung, da kein Gleichgewicht gehalten werden muss. Es ist vergleichsweise leicht, achtsam in den Körper hineinzuspüren, ohne wie meist bei Meditations-Techniken oder beim Yoga zunächst Disziplin für eine bestimmte Körperposition (zum Beispiel beim Sitzen) aufwenden zu müssen.

Monochorde

Monochorde sind Saiteninstrumente mit vielen (30 – 60 und mehr) auf denselben Grundton gestimmten Saiten. Diese Instrumente gehen auf Pythagoras zurück, der an zunächst nur einer Saite verschiedene Tonhöhen durch Unterteilen der Saite mit einem Finger erzeugte. Er entdeckte dabei die sogenannte Naturtonleiter mit einer spezifischen physikalisch-mathematisch vorgegebenen Tonfolge, auch Obertonreihe genannt. Ich demonstriere diese gern mithilfe einer sehr langen Monochord-Saite (zwei Meter); das elementare Phänomen Obertonreihe kann dadurch unmittelbar erlebt werden. (Deshalb soll hier auf lange Beschreibuns-Versuche verzichtet werden.)
Nachfolgend sollen die wichtigsten von mir verwendeten Monochord-Varianten kurz vorgestellt werden. Im Rahmen der klangbegleiteten Psychotherapie steht für mich auf der einen Seite die Verwendung von Monochorden im Vordergrund sowie auf der anderen Seite die Einbeziehung von Gongs. Klangschalen kommen in meiner Praxis insgesamt weniger zum Einsatz. Empfindsame Patienten bevorzugen in der Regel die Monochorde, während sich robustere und weniger ängstliche Naturen schnell zu den Gongs hingezogen fühlen.
Thai-Gong, auf den Ton B gestimmt, passend zur Klangliege B/F

Klangliege

Bei der Klangliege befinden sich die Saiten unten, so dass man auf der Resonanzdecke liegen kann und die Klänge nicht nur hört, sondern durch die Vibrationen auch spürt, ein „Hören mit dem ganzen Körper“. Der Therapeut sitzt auf der Seite der Klangliege und streicht mit den Kuppen der beiden Mittelfinger über die Saiten. Es entsteht ein feiner, obertonreicher, Trance fördernder "Klangteppich", dessen Vibrationen in den Körper des auf der Liege Befindlichen eindringen und einen Zugang zu den Tiefendimensionen des eigenen Körpers ermöglichen, ein beglückendes Erlebnis von zentriert Sein, Selbstvergessenheit und Sich-aufgehoben-Fühlen.
Thai-Gong, auf den Ton B gestimmt, passend zur Klangliege B/F

Klangliege

Bei der Klangliege befinden sich die Saiten unten, so dass man auf der Resonanzdecke liegen kann und die Klänge nicht nur hört, sondern durch die Vibrationen auch spürt, ein „Hören mit dem ganzen Körper“. Der Therapeut sitzt auf der Seite der Klangliege und streicht mit den Kuppen der beiden Mittelfinger über die Saiten. Es entsteht ein feiner, obertonreicher, Trance fördernder "Klangteppich", dessen Vibrationen in den Körper des auf der Liege Befindlichen eindringen und einen Zugang zu den Tiefendimensionen des eigenen Körpers ermöglichen, ein beglückendes Erlebnis von zentriert Sein, Selbstvergessenheit und Sich-aufgehoben-Fühlen.

Klangwiege

Auf der Klangwiege (www.allton.de), die von beiden Seiten gespielt werden muss, ist man noch mehr als auf der Klangliege von Klängen eingehüllt, deren Vibrationen sehr direkt und intensiv wahrnehmbar sind. Das Erleben von Zeitlosigkeit und Geborgenheit ist noch dadurch gesteigert, dass man in der von der Zimmerdecke abgehängten Wiege „schwebt“ und leicht seitlich hin und her geschaukelt, „gewiegt“ werden kann.

Aufliegemonochorde

Nach der Entwicklung der Klangliege, bei welcher man auf einem Resonanzkörper liegend mit dem ganzen Körper die Vibrationen des Instruments von unten spüren kann, lag es nahe, auch Monochorde zum Auflegen auf den Körper zu bauen, zumal sich auf der Vorderseite des Körpers, im Brust- und Bauchbereich sowie auch an den Knien besonders viele Vibrations-Rezeptoren befinden, mehr als im Rücken. Solche "Aufliegemonochorde" können nach der Entwicklung der Klangliegen Ende der 80-er Jahre des letzten Jahrhunderts als die bedeutendste Weiterentwicklung der Monochorde gelten. Sie eignen sich als Basisinstrument der rezeptiven Musiktherapie insgesamt und sind vielfältig einsetzbar. Die Aufliegemonochorde können (wie zuvor schon die Klangliege) über Klanginstrumente hinausgehend als Körperinstrumente bezeichnet werden. Durch eine geeignete Wölbung an der Unterseite ist es möglich, diese Instrumente breitflächig auf den Körper aufzulegen, auf den Rücken oder auf den Brust- und Bauchbereich. An der Vorderseite des Körpers sind die Vibrationen des direkt aufliegenden Instrumentenbodens besonders gut spürbar. Es eröffnet Behandlungsmöglichkeiten nicht nur bei psychischen, sondern vor allem auch bei psychosomatischen sowie ergänzend bei organisch bedingten Störungen. Dies ist zum Beispiel dann vorteilhaft, wenn aus psychischen Gründen oder durch schulmedizinische Eingriffe (Bestrahlung und Operationen) das Körper-Selbstgefühl beeinträchtigt ist und die traumatisierten Körperbereiche als fremd und nicht mehr als zu sich selbst gehörig empfunden werden.

Aufliegemonochorde mit Tambura-Besaitung

Der Berliner Instrumentenbauer Bernhard Deutz (www.deutz-klangwerkstatt.de) baute als erster, so weit ich sehe, im Jahr 2002 Aufliegemonochorde. Er verwendete dafür eine in Indien verbreitete Saitenfolge aus vier Tonhöhen: 1. der Quinte eines Grundtons, 2. und 3. der Oktave des Grundtons und 4. den Grundton selbst. Bei dem indischen Instrument handelt es sich um die sog. Tambura oder Tampura. In Anlehnung daran nannte B. Deutz das von ihm konzipierte Aufliegemonochord mit dieser Saitenfolge Körpertambura. Die Folge von  jeweils vier Saiten wird sieben mal wiederholt, so dass durch Bestreichen der insgesamt 28 Saiten ein einheitlicher besonders obertonreicher Klang ermöglicht wird, harmonisierend, verzaubernd und anregend, deutlich mehr, als wenn alle Saiten nur auf einen einzigen Grundton gestimmt sind. Das war in den ersten Jahren des Monochordbaus seit Mitte der 80-er Jahre meist der Fall.
„Körpertambura“ 80 cm
Bass-Aufliegemonochord 100cm

Bass-Aufliegemonochord

Aufliegemonochorde werden inwischen von mehreren Instrumentenbauern hergestellt, zum Beispiel von Joachim Marz (www.naturtonmusik.ch) in 80 cm Länge wie auf dem nebenstehenden Foto, einem modifizierten Monochord in Tambura-Saitenfolge.

Bei der 100 cm langen Bass-Variante der Aufliege-Monochorde mit einem vollen, dunklen und vibrationsreichen Klang steht im Gegensatz zu dem kürzeren Instrument der Aspekt der Tiefenentspannung ganz im Vordergrund. Sehr häufig werden dadurch noch mehr als durch die Klangliege intensive Glücksgefühle ausgelöst. In der abgebildeten Ausführung von Joachim Marz mit dem Rahmen aus schwarz-brauner Mooreiche weist es ein für das menschliche Hörvermögen umfassendes obertonreiches Klangspektrum auf, mit 28 Saiten, davon 16 Bass-Saiten im Grundton B, fünf in der ersten Oktave, drei auf die Quinte (F) gestimmte Saiten sowie vier Saiten in der zweiten Oktave: eine günstige Mischung von tiefen, mittleren und hohen Frequenzen, in der auch etwas von einer „Tambura-Stimmung“ mitschwingt. 

Während bei der kürzeren Körpertambura der Klang mehr als die Vibrationen im Vordergrund steht, ist es bei dem längeren Instrument, dem Bass-Aufliegemonochord umgekehrt: bedingt durch das Überwiegen von Bass-Saiten dominieren hier die Vibrationen gegenüber dem Klang. Es gilt auch hier wie bei den Gongs: je deutlicher der vibrative Anteil wahrgenommen wird, desto stärker die Gesamtwirkung.

Eine Patientin, die Jahre zuvor wegen Brustkrebs operiert, bestrahlt und mit Chemotherapie behandelt worden war, beschreibt ihr Körpergefühl nach den ersten Erfahrungen mit diesem Klangkörper: es war mir  zuvor nicht deutlich, wie sehr ich mich seit der Operation in der linken Brustseite leer gefühlt hatte, jetzt ist meine Hülle wieder aufgefüllt.

Standmonochorde

Standmonochord, von dem Erbauer Bernhard Deutz Wölbmonochord wegen der beiderseits gewölbten Decke genannt, eine besonders praktikable Monochord-Variante. Es lässt sich bequem sowohl im Sitzen als auch im Stehen spielen und ist gut transportierbar. Für die therapeutische Praxis empfiehlt sich aufgrund meiner Erfahrungen eine auf B/F gestimmten Besaitung (Tambura-Stimmung). Das Instrument zeichnet sich durch einen außerordentlich feinen obertonreichen Klang aus, der sich als diskreter Hintergrundklang bei ganz unterschiedlichen psychotherapeutischen Gesprächen bewährt hat, indem er beruhigend, harmonisierend und Geborgenheit vermittelnd wirkt.(Im Untermenü Klangselbsterfahrung befindet sich ein weiteres Foto, auf welchem auf der rechten Seite ein Standmonochord zu sehen ist, von einer Grupenteilnehmerin im Stehen bespielt.)Die Person links auf dem Bild liegt auf einer Schaumstoff-Halbrolle, eine Positon, in welcher eine optimale Entspannung möglich ist. Eine ausführliche Beschreibung der Vorteile dieser Lage befindet sich oben auf dieser Seite unter Klangschale.

GONG

Gongs stammen ursprünglich aus Asien, besonders Indonesien (Bali, Java), Thailand, Korea und China. Sie gehören wie die Monochorde zu den wichtigsten Klangkörpern der rezeptiven Musiktherapie. (Rezeptiv im Gegensatz zur aktiven Musiktherapie, bei welcher die Teilnehmer selbst musikalisch improvisieren.) Es gibt sehr unterschiedliche Formen von Gongs mit einem jeweils charakteristischen Klang, teils mit einem klaren Grundton, teils nur mit einem diffusen Klang, der wie ein helles oder dunkles Rauschen anmutet. Einen Gong sollte man sich übrigens nicht nach Katalog bestellen, sondern möglichst nur persönlich aussuchen. Auf Wunsch kann ich gern die Adresse von Großhändlern nennen, die über eine große Auswahl asiatischer Gongs verfügen.

TAMTAM-GONG AUS CHINA

Gong aus Wuhan, Durchmesser 110cm

JAVA-GONG

Im Hintergrund: Java-Gong mit 2 m Durchmesser, hergestellt und künstlerisch gestaltet von Saichu Yohansyah (www.gongmalerei.de) mit einem tiefen, warmen und obertonreichen Klang, einem dunklen Rauschen ohne klar erkennbaren Grundton sowie auch „Infraschall“, den der Mensch nur noch als Vibration wahrnehmen kann.

Links vorn: chinesischer Gong Heng Luo ("ewig klingend"), 80 cm Durchmesser, nicht auf einen messbaren Ton gestimmt, ein tiefes diffuses Rauschen mit sehr ausgeprägten Vibrationen erzeugend. Er zeichnet sich durch ein hohes körpertherapeutischen Potenzial aus. Dafür genügt es in der Regel, ihn leise zu spielen. Das wird unten im Abschnitt "Gong = Klang + Vibrationen" ausführlich beschrieben.

Vorn Mitte: Bali-Gong, 80 cm, mit einem wunderbar tiefen, erdenden, harmonisierenden Ton (CIS), ein wohltuender Kontrast zu den beiden ungestimmten Gongs hinten Mitte und links vorn.

Vorn rechts: Auf den Grundton F gestimmter chinesicher Tam Tam, manchmal ersetzt durch einen etwas kleineren GIS Tam Tam, in der Tonhöhe gut zu dem CIS-Bali-Gong passend.

Gong-Kombination

Ich kombiniere gern die vier oben beschriebenen Gongs miteinander, so angeordnet, dass der Patient dazwischen wie in einer „Gonghöhle“ liegt, umgeben von zwar behutsam gespielten, aber dennoch mächtigen Klängen mit tiefem Grundton oder nur mit einem dunklen Rauschen. Dafür ist es noch mehr als bei der Verwendung von Monochorden wichtig, dass sich der Patient gut anvertrauen kann und vergleichsweise angstfrei ist, sich gegen die Klänge nicht wehren muss und sich mit der Kraft der Gongs verbünden kann. Der Therapeut sitzt hinter dem Patienten bzw. Klienten.

Die Kombination der abgebildeten Gongs wirkt in der Regel stärker noch als die anderen hier aufgeführten Klangkörper vitalisierend und im körperbezogenen Selbstgefühl zentrierend. Ihrer Trance fördernden Wirkung können sich selbst als überwiegend rational empfindende Menschen kaum entziehen. Ein Patient drückte das so aus: „Sehr schnell muss ich an nichts mehr denken, es ist, als ob die Gehirnwindungen frei gefegt werden“. Gerade das „An nichts mehr denken Müssen“ wird als äußerst wohltuend erlebt, ein Zustand von Selbstvergessenheit, Schwerelosigkeit und selbstverständlichem Sein; mit Gefühlen von vollkommener Entspannung und Körperlosigkeit, oft verbunden mit intensiven inneren Bildern und Wachträumen. Ein Patient berichtet: ich muss schnell an nichts mehr denken. Einmal folgte ich einem Lichtstrahl ins Universum. Als ich zurück schaute, sah ich weit unten nur noch meine lere körperliche Hülle. Es war zutiefst beglückend.

Gong = Klang + Vibrationen

Das Verhältnis von Klang und Vibrationen hängt von dem jeweiligen Gong-Typ ab und sehr wesentlich auch von seiner Größe. Von den oben abgebildeten Gongs treten die Vibrationen am deutlichsten bei dem Heng-Luo Gong aus China (Durchmeser 80 cm) hervor, gut zu erkennen auf dem Foto "Java-Gong" auf der linken Seite. Seit Anfang des Jahres 2021 schlage ich meinen Patienten und Klienten vielfach vor, sich so auf die "Rolle" zu legen, wie es auf dem Foto zu sehen ist: der Kopf direkt hinter dem Gong. Die Vibrationen treffen zuerst auf den Kopf der auf der Rolle liegenden Person und strömen durch den Körper bis zu den Füßen. Dieses Durchströmen der Vibrationen durch den Körper, der durch die Lage auf der Rolle optimal „geöffnet“, empfänglich ist, wird von den meisten Patienten und Klienten als noch deutlicher Trance-fördernd und beglückend erlebt als dies im Setting der Gong-Kombination der Fall ist.

Vorausssetzung dafür ist, dass sich der Klient anvertrauen, die Kontrolle über die Situation wenigsten teilweise aufgeben kann. Ganz offensichtlich wird durch die Verbindung von Klang und Vibration ein besonders intensiver primär vom Körper ausgehender, autonomer psychosomatischer Prozess der Selbstregulation ausgelöst, und das in  einer nur leichten Trance und in der relativ kurzen Zeit von etwa 15 – 20 – 25 Minuten. Danach fühlen sich die Betreffenden als in sich selbst zentriert, entspannt und gleichzeitig auch vitalisiert. Vielfach wurde berichtet, dass der Schlaf in den darauf folgenden Tagen deutlich verbessert war.